Das Landgericht München II hat die Klage auf Geldentschädigung von Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann gegen seinen Torwartkollegen Tim Wiese abgewiesen (Aktenzeichen: 8 O 127/11). Lehmann hatte von Wiese 20.000 Euro gefordert, weil er sich von dessen Äußerungen nach einem Champions-League-Spiel beleidigt gefühlt hatte. Nach der Partie Werder Bremen gegen Tottenham (2:2) im September 2010 soll Wiese zu einem Reporter folgende Sätze gesagt haben: „Der Lehmann soll in die Muppet-Show gehen. Der Mann gehört auf die Couch. Vielleicht wird ihm da geholfen. Einweisen – am besten in die Geschlossene.“ Lehmann hatte zuvor als TV-Experte Wieses Leistung im Spiel kritisiert und ihm ein Gegentor angelastet.Im Rahmen der Abwägung entschied das LG München II, dass keine reine Schmähkritik vorliege, da sich Wiese auch sachlich mit der vorangegangenen Stellungnahme von Lehmann auseinandergesetzt habe. Die Meinungsfreiheit decke zudem auch härtere Formulierungen bzw. einen etwas ausfallenderen Tonfall ab. Insbesondere im Milieu des Profifußballs seien Schimpfwörter und die Austragung von Konflikten zwischen Sportlern über die Medien ganz üblich.Dr. Patricia Cronemeyer: „Es ist sachgerecht, wenn die Gerichte in ihrer Abwägung zwischen Medienfreiheit und Persönlichkeitsrechtsschutz nicht nur schwarz und weiß malen und zwischen einem geschützten privaten und einem im Regelfall nicht geschützten öffentlichen Raum unterscheiden, sondern darüber hinaus auch bestimmte Teilöffentlichkeiten mit eigenen Regeln herausbilden. So ist der Ton in der sog. Sportöffentlichkeit naturgemäß etwas rauer und die Schwelle für eine Persönlichkeitsrechtsverletzung sollte entsprechend etwas höher angesetzt werden.“